Dienstag, 03 Juli 2018 12:00

Wieso geht nichts weiter?

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Wann wird es endlich anders? Wann löst sich dieses Problem? Ich glaube, dass sich diese Fragen sehr viele stellen. Oder kennst du einen Menschen, der frei von diesen Gedanken und Gefühlen wäre? Vermutlich nicht. Und auch unter den spirituell interessierten Personen gibt es genug, die des wartens und ausharrens müde sind. Warum ist das so? Man tut und macht, macht und tut und “arbeitet” Jahre über Jahre und dennoch poppen dieselben Themen immer wieder auf.

Sicher, gerne auch in einer anderen Variante, was für viele dann eine weitere Herausforderung darstellt, darin das Kernthema zu erkennen. Aber wie kann es denn sein, dass die grundlegenden Themen in uns sich so hartnäckig halten?

Zwei Ansätze sind von Bedeutung. Der einfachere und wohl hinlänglich bekannte Ansatz ist der erste, von dem ich schreibe. Der zweite ist natürlich auch bekannt und weit verbreitet, aber soll dir mit der Erläuterung auch mehr Frieden und Freude bringen:

Ansatz 1: Wichtig ist - so denke ich - dass man dennoch erkennt, dass zwar das Grundthema noch vorhanden ist, jedoch es die ursprüngliche Größe nicht mehr haben kann, sofern man daran arbeitet. Doch jedes Mal, wenn das Thema hochkommt, fühlt es sich an, fast wie immer, nicht wahr? Ein Stuhl wird auch immer die Grundschwingung eines Stuhles haben, selbst, wenn man ihm ein Bein nach dem anderen absägt. Und genauso ist es mit den eigenen Problemen. Es wird ein Teil nach dem anderen abgearbeitet, aber die Grundschwingung bleibt. Als Veranschaulichung in Sitzungen halte ich dazu gerne meine beiden Hände in einem Abstand von ca. 30 cm und sage: “Dies ist nun die gesamte Größe des Problems. Das Problem ist alles innerhalb dieser Linie. Und jedes Mal, wenn du eine Schicht davon löst, verringert sich diese Linie um ein paar Zentimeter, das Problem wird also in seiner Gesamtheit kleiner.”, wobei ich meine Hände zusammenrücke. Doch die Grundschwingung ist davon unbeeinträchtigt, nur das Volumen nimmt ab. Wie soll es auch anders sein? Wie soll das Thema plötzlich eine andere Schwingung bekommen? Sind die Dinge nicht so, wie sie sind? Ein Baum ist ein Baum und wird zu keinem Stein werden, wenn man ihn fällt und ein Stein ist ein Stein und wird zu keinem Baum werden, wenn man ihn spaltet. Also lasse es gut sein, dich zu wundern oder zu ärgern, warum das Thema “noch immer” da ist, sondern beachte lieber, dass es dir mittlerweile leichter fällt damit umzugehen und aus dem Dilemma auszusteigen. Das ist das Zeichen fürs Vorankommen.

Ansatz 2: Von weiterer großer Bedeutung ist es, dein Verhalten zu betrachten. Wenn du mit deinem Problem in die Vergangenheit und in die Zukunft abschweifst, ist die Qualität dessen besonders genau zu betrachten. Denkst du in die Vergangenheit hinein und nutzt die aufkommenden Gefühle, um sie für dich zu bearbeiten oder geht es über das Leid nicht hinaus? Und verwendest du deine Zukunftsängste auch dafür, zu erkunden, welche darunter liegenden Glaubenssätze sich verbergen oder setzt du sie ein, um dich nicht weiter bewegen zu müssen? Natürlich sollte man in der Gegenwart leben und nicht sein ganzes Leben versäumen, in dem man sich in der Vergangenheit und in der Zukunft aufhält. Aber ich denke, diese Ausflüge sind sehr gut zu gebrauchen, wenn man mit ihnen Ängste und Sorgen, unerlöste Gefühle hochkommen lassen kann, um sie weiter zu bearbeiten. Wenn du an ein Gefühl nicht rankommst, stell dir die Situation vor und du kannst auch gerne übertreiben um einen Zugang zu erlangen und dann die Gefühle aufzuarbeiten. Wobei das Wort “aufarbeiten” nicht ganz richtig ist, denn was willst du aufarbeiten, wenn es nichts zu bearbeiten gibt, da alles Leid und alle Zeit Illusionen sind. Zwar verdammt reale Illusionen, aber dennoch unwahr.  Dieser gut gemeinte Satz hat dir nun wahrscheinlich nicht geholfen und wir sollten auch zum Thema dieses Blogeintrags zurückkehren. Ach, wenn doch alles so einfach wäre? Aber ja, ist es. Nimm alles als Geschenk an, was in dir hochkommt, sehe hinter allem und zu allem die Möglichkeit gleich hier und jetzt direkt an dir zu arbeiten und wenn es wirklich einmal nicht im Moment geht, dann mache es, sobald Zeit dafür ist. Aber vergiss es nicht.

Du brauchst keinen Mut und keine Erfahrung, kein Wissen und keine Fähigkeiten um irgendetwas für dich zu lösen. Du brauchst niemanden zu bewundern oder ihn zu beneiden. Du brauchst nur du selbst zu sein, dich zuzulassen und ehrlich zu dir zu sein, auf deine Gedanken und Gefühle zu achten und sie stets annehmen, als etwas, was da bei dir ist, was du aber nicht bist. Belüge dich nicht und versuche dir nichts vorzumachen. Sehe lieber zehnmal und öfters hin, bevor du meinst zu wissen, wie es dir geht. Und hör auf zu glauben, dass du das Opfer von jemanden bist. Das bist du nicht. Es gibt immer drei Möglichkeiten im Leben: Ja / Nein / Kompromiss. Das bedeutet, dass du dir überlegen kannst, ob du die Situation verändern kannst oder aus ihr aussteigen möchtest, oder in ihr ausharren willst (was auch immer du dir dabei erhoffst). Eine jede Variante ist gleich gut.

Aus diesen Ansätzen heraus ist es nicht mehr wichtig, wie lange man schon an einem Thema arbeitet und warum es noch immer nicht erlöst ist. Denn du lässt dich selbst dermaßen zu, dass du im Herzen begreifst, dass du eine bestimmte Ausdrucksform des Lebens und du damit einzigartig bist und es eine schöne Art ist, wie sich das Leben durch dich ausdrückt, mit all den vermeintlichen unerlösten Themen. Was wäre das Leben ohne dich und deinen Anhängseln? Und was bist du für das Leben? Sicher jemand von Bedeutung.