Montag, 09 Juli 2018 13:11

Der innere Schweinehund ...

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... und wieso kann ich mich nicht überwinden? Trägheit. Faulheit. Interessenlosigkeit. Alles Zustände, die der eine oder andere aus seinem eigenen Leben kennt. Aber ist es wirklich so einfach? Ist man einfach träge, faul oder interessenlos? Kann das überhaupt sein? Kann der Mensch aus sich selbst heraus träge sein?

Eigentlich nein. Der Mensch kann Phasen der Entspannung suchen und auch benötigen. Aber Trägheit würde ja bedeuten, dass man sich nicht mehr bewegt, stattdessen verharrt. Und Faulheit? Diese übermäßige Bequemlichkeit, in der jegliche Anstrengung, selbst wenn sie keine Anstrengung darstellt, vermieden wird? Nein, auch sie ist nicht fixes Ausstattungsmerkmal der Menschheit. Es gibt immer einen Grund für diese Verhaltensweisen. Und dieser Grund ist in der Regel ein sehr guter.

Was kann nun so ein Grund sein, sich nicht aufraffen zu können?

Ich nehme an, die Vorwürfe der Eltern klingen noch vielen in den Ohren. Oft wurde die “Faulheit” als Willensschwäche, oder gar als Charakterschwäche ausgelegt. Und wenn man jung ist beharrt man den Eltern gegenüber aus mehreren Gründen auf dem eigenen Verhalten. Aber dann, wenn man erwachsen ist, und man kann sich noch immer nicht aufraffen zu tun, was getan werden sollte oder was man ohnedies selber will, wird es noch um ein Eck schwieriger, als in der Jugend, in der man vor sich selbst Erklärungen für sein Verhalten fand, die leider Gottes im Erwachsenenalter kaum noch zählen. Und damit sind wir schon mitten im Hauptgrund allen trägen, faulen und interesselosen Verhaltens:

Du musst!

Das “du musst” nimmt einem alle Freiwilligkeit, die einem die Sinnhaftigkeit des Tuns selbst erkennen lässt. Viele Menschen “tun” sich heute noch schwer, Dinge für sich selbst zu erledigen (selbst, wenn das Ergebnis sie freuen würde), weil darunter - ganz im verborgenen - immer noch die Aufforderung steht, es “tun zu müssen”. Und damit nicht genug: Mit diesem Müssen ist oft die Erwartung und Forderung verknüpft gewesen, es auch noch gut genug tun zu müssen. Damit kam es zu zwei wichtigen Prägungen: Ich muss etwas tun, egal, ob es mir sinnvoll erscheint oder nicht und ich muss es auch noch so gut tun, dass ich dafür nicht kritisiert werden kann. Meist endeten diese Forderungen im innerfamiliären Kreis mit einer Weigerung oder einem Unwillen etwas zu tun, womit bestätigt wurde, dass man den Zorn der Eltern (und mitunter auch  die Lieblosigkeit) zurecht über sein Haupt entladen bekam. Andere wiederum, erledigten unwillens das Geforderte, oft aus der Angst heraus, einen weiteren Liebesentzug oder weitere Herabsetzungen hinnehmen zu müssen. Wie auch immer man es dreht und wendet: Menschen, die auch als Erwachsene noch immer unter der Eigenart Trägheit leiden, sind oft mit der Angst behaftet, etwas tun zu müssen und dafür bewertet und beurteilt zu werden. Wenn man nichts tut, umgeht man wenigstens der Schmach versagt zu haben. Dann lässt man es schon lieber offen, ob man es geschafft hätte oder nicht, denn dies lässt einem immer noch besser da stehen. Der Ärger einer anderen Person kommt natürlich zurecht, wenn man wieder mal “nichts” getan hat und man weiß selber, dass man dieses oder jenes verabsäumte. Aber (!): Man hat sich nicht der Gefahr ausgesetzt zu versagen, braucht sich nicht vor sich oder dem anderen zu schämen.

Der langen Rede kurzer Sinn: Versagensängste und die Angst zurückgewiesen zu werden, die Angst vor Liebesentzug und vor Scham halten viele nach wie vor unbewusst davon ab, tätig und aktiv zu sein. Diese Menschen haben es (noch) nicht gelernt, dass man von diesem Muss loskommen kann und es sich in ein Darf verwandelt. In ein befreiendes, harmonisierendes Darf.

Wenn du dich davon angesprochen fühlst: Du darfst etwas tun, denn du tust es schlussendlich für dich. Du darfst tätig sein, denn es geht um dich. Du darfst tun, denn du darfst dich glücklich machen und du darfst etwas tun, denn du kannst und darfst dir selbst helfen. Bitte verstehe, jetzt musst du nichts mehr tun, du darfst tun, weil du am Leben bist und die Fähigkeit dazu hast. Du darfst! Selbst die täglichen Pflichten können mit einem Gefühl des dürfens verbunden sein, denn schließlich kannst du für dich und andere Gutes tun.

Mache dir klar, dass es nun ein dürfen ist und alles müssen ein für alle mal vorbei ist. Nichts im Leben muss getan werden, außer irgendwann zu sterben. Der Rest geschieht freiwillig und damit ist auch die Beurteilung zu Ende. Wie sehr, entscheidest du selbst.

Wenn du dein Leben im Modus “Ich darf” erlebst, dann wirst du es ungleich viel schöner erfahren, als wenn du am (geglaubten) Muss festhältst. Das Leben selbst kennt kein Muss, es ist in sich pure Freiwilligkeit und Bedingungslosigkeit. Das kannst du gerne durch dich geschehen lassen - wenn du möchtest; du musst nicht, aber du darfst!

(Natürlich gibt es weitere Gründe, warum jemand träge ist. In diesem Blogbeitrag möchte ich nur auf einen der häufigsten Gründe eingehen.)