Freitag, 18 Mai 2018 00:00

Erinnerung und Vergangenheit

geschrieben von Joomla

In der Vergangenheit leben ist für viele ein Thema, auch wenn dies nicht der korrekte Ausdruck für das ist, was wirklich geschieht. Wer "in der Vergangenheit lebt", lebt im Bewusstsein / in der Energie der Erinnerung, was wiederum das bereits Erlebte neu erfahrbar macht. Wir leben in einer abermals erschaffenen Energie, die sich aus der Erinnerung speist.

Denn wir können nicht in der Vergangenheit leben, da wir immer nur in der Gegenwart existent sind und Sprünge in die Vergangenheit oder in die Zukunft nur in Filmen möglich sind. Dafür schaffen wir es mit Leichtigkeit, Ereignisse aus der Vergangenheit gegenwärtig zu machen, indem wir uns in die Erinnerung begeben und gerade aus diesem Akt heraus die Vergangenheit wieder lebendig machen - sie ins Dasein bringen, als geschähe es jetzt - was es dann auch tut. Alles, woran ich mich gefühlsmäßig erinnere, geschieht im Jetzt - nochmals und nochmals und nochmals.

Erinnerung bedeutet in der Psychologie die mentale Wiederbelebung früherer Erlebnisse und Erfahrungen, wie es auch das ist, was man von einem Ereignis in der Vergangenheit bzw. von einer vergangenen Zeit im Bewusstsein hat. Diese Erklärungen kann man gut im Internet nachlesen. Sie sollen uns hier genügen.

Doch was bedeutet das für unser Leben? Vergangen ist, was zu einem anderen Jetzt (eben der Vergangenheit, wenn wir davon ausgehen, dass man immer nur im Jetzt leben kann) geschehen und auf der Gefühlsebene abgeschlossen ist. Dass einem einfällt was war, egal was war und wie es damals für uns war, holt es noch nicht in die gelebte Gegenwart. Wer seine Gefühle zu einem Ereignis lösen konnte, kennt den Zustand des erzählens, ohne dass es einem rührt. In dem Moment, in dem es bewusst oder unterbewusst mit einem Gefühl verbunden ist, ist es nicht losgelassen, in Wahrheit nicht akzeptiert. Und alles, was nicht akzeptiert ist, lebt im Bewusstsein, wie im Unterbewusstsein weiter, so, als ob es eben erst geschehen würde. Dies ist ja auch der Grund, warum alte Verletzungen (und alleine das Wort drückt schon aus, dass es in der Regel unerlöst ist), unser aktuelles Dasein und Leben triggern: Muster, Gedankenschleifen, Verhaltensweisen und ähnliches sind wirksam, weil das Unterbewusstsein weder Zeit, noch Raum, noch die Wahrheit kennt. Psychisch reagieren wir, weil die Erinnerung angestoßen wurde und durch das "sich erinnern" etwas lebhaft gemacht wird. Etwas wird uns wieder bewusst und alles was in unserer Wahrnehmung liegt (in unserem Bewusstsein und dem Stand des Bewusstseins) ist / wird existent.

Es ist nicht so, dass wir zum Beispiel Personen binden, indem wir die gemeinsamen Ereignisse mit ihnen nicht losgelassen haben. Man kann geistig niemanden binden, wir alle sind eins und wir können uns nicht selber binden. "Bindung" ist, wenn der andere auch nicht losgelassen hat. Aber wir reaktivieren das Ereignis selbst, sodass es sich geistig für die Welt immer und immer wieder wiederholt, mitunter in einer Art Endlosschleife. Was weder für einen selbst, noch für das Umfeld oder die Welt gesund ist. Die Energie des Ereignisses teilt sich allem und allen mit. Dieses zu Ende kommen ist im Falle des Menschen die Lösung der Gefühle und damit das Loslassen der damals (geglaubten) erlebten Verletzung. Wer ein Gefühl zur Gänze löst, haftet der Verletzung nicht mehr an und die Energie dessen, was geschah, transformiert für einen selbst in die Bedeutungslosigkeit - mitunter auch für das Umfeld und die Welt. "Bedeutungslos" heißt nicht, dass etwas gut geheißen wird, obwohl es nicht gut war. Nichts wird damit schön geredet oder maskiert. Mit Bedeutungslosigkeit meine ich, dass etwas dermaßen kompromisslos und uneingeschränkt akzeptiert und angenommen und damit auch geliebt ist, dass es für einem selbst keine Auswirkung mehr hat und wenn es nicht geschehen wäre, könnte man meinen, es sei auch wirklich nicht geschehen. Doch haben wir belastende Gefühle, wird das Ereignis nicht in die persönliche Bedeutungslosigkeit transformiert, sondern behält seinen Zustand (der ihm durch meine Bewertung gegeben wurde) und ist damit existent, da nicht transformiert.

Natürlich geht es nicht darum, sich nicht zu erinnern. Das liegt auch nicht in der Natur des Menschen, da es nicht in der Natur des Egos liegt. Das Ego ist für mich ein anderes Wort für Angst. Die Angst bleibt in der Erinnerung hängen, da sie sich ständig nach außen orientiert, um Wahrgenommenes zu beurteilen, einzuteilen, Strategien und Maßnahmen einzuleiten. Und dieser ganze Aufwand geschieht, um sich psychisch zu schützen. Aber das Wissen darum, dass sich die Ereignisse energetisch in der Welt wiederholen, sich abermals energetisch auswirken, solange man sich ihrer unerlöst erinnert, lässt einen vielleicht noch mehr erkennen, wie wichtig es ist, seine Gefühle auf sämtlichen Ebenen, die uns zur Verfügung stehen, zu bearbeiten: Auf der psychischen, körperlichen und durchs völlige Loslassen auf der geistigen Ebene, sodass das Leben für uns neu weitergehen kann und sich anderes nicht wiederholt.

Die Strategien, die der Mensch entwickelt hat, um zu überleben, wenn Gefahr droht (Nahrungssuche, Gewalt, ...) sind davon ausgenommen, sie sind evolutionär.