Samstag, 26 Januar 2019 11:06

Bist du authentisch?

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Wer bist du?

 

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass du eigentlich so gut wie nie authentisch bist? Bist du der Ansicht, dass dem nicht so ist?

Dann muss ich dich enttäuschen, denn du bist solange nicht authentisch, so lange du dich mit deiner Vergangenheit identifizierst und sie in die Zukunft legst. Hast du ein “Ich”, aus dem du Informationen zum Leben ziehst, worauf sich Freuden aber auch Ängste und Sorgen ableiten? Ja? Dann bist du mit deiner Vergangenheit identifiziert.

 

Die Vergangenheit bringt unzählige Rollen mit sich. Sie ist wie eine Faschingstruhe, aus der man Kostüme und Verkleidungsutensilien zieht, entsprechend der Rolle, die man gerade spielt und übernimmt. Beobachte dich selbst: Wie du bei einem jeden Menschen entweder zur Gänze oder in Anteilen unterschiedlich bist, dich anders fühlst, dich anders verhältst, anders sprichst und anders agierst. Dieses Schauspiel wird dann noch verstärkt, durch Verhaltensmuster, die dir ohnedies wie eine zweite Haut geworden sind: Rechthaberei, Ignoranz, mangelnde Empathie und vieles mehr, bis hin zum Wunsch von den anderen geliebt, beachtet und angenommen zu sein. Bei einem jeden Kontakt spielt sich eine Angst in den Vordergrund, die die wenigsten im jeweiligen Augenblick wirklich klar fühlen, geschweige denn erfassen können. Stattdessen spult sich ein Programm selbständig ab und je nach Lage und Ähnlichkeiten zwischen den Situationen werden diese dann zu Rollen, die wir innehaben und ausleben.

 

Am einfachsten ist dies zu erkennen, wenn wir uns in der eigenen Familie umsehen: Wie verhalte ich mich der Mutter gegenüber? Und wie bin ich beim Vater? Und wie bin ich den einzelnen Geschwistern gegenüber? Und wie gebe ich mich meinem Partner und meinen eigenen Kindern gegenüber? Dann darüber hinaus: Wie bin ich wieder anders, wenn ich auf Freunde und Bekannte treffe? Auf Vorgesetzte und Kollegen? Auf fremde Menschen, die eine Dienstleistung erbringen? Beobachte dich genau, was du fühlst, wie du sprichst, wie du plötzlich deine Meinung anpasst, wie du dich gibst und wie du in alte Rollen schlüpfst und eigentlich nie du bist. Nie wirklich authentisch. Und das erklärt sich NICHT daraus, dass man nicht immer ehrlich sein kann, dass es viele Situationen gibt, in denen es besser ist, einfach ruhig zu sein oder sich in einer bestimmten (selbstschützenden) Weise nach außen hin zu verhalten. Nein, es erklärt sich daraus, dass der Mensch Angst hat. Vor allem möglichen, hauptsächlich aber die Angst, schuldig zu sein, nicht genug geliebt, wahrgenommen und geachtet zu sein. Und er sich dieser beständigen, unterschwelligen Angst kaum bewusst ist.

 

Doch dem nicht genug. So, wie du in eine Verkleidung deines Selbst schlüpfst, so betrachtest du auch andere. Deine Prägung anderen Menschen gegenüber (wie sie denn angeblich sind und vor allem, wie sie zu sein HABEN, damit sie deinem Bild entsprechen, also deinen eigenen Ängsten) ist eine der stärksten Hemmnisse auf deinem Weg zu deinem eigenen authentischen Sein. Die Erwartung und Vorstellung (oft auch noch irrig) zu den - nehmen wir doch wieder der Einfachheit halber den innersten Kreis - zum Beispiel Familienmitgliedern verhindert nicht nur, dass du dich selbst aus einer Rolle befreist (der anderen Person gegenüber), sondern lässt dich auch in dem selbst erbauten Gefängnis verharren. Du verpasst damit, die eigene Zellentür aufzusperren, wie es dir auch nicht möglich sein wird, anderen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Du wirst den anderen weiter verurteilen und regelmäßig falsch beschuldigen. Warum? Weil du ihn nur aus deiner eigenen Unzulänglichkeit heraus betrachten kannst, aus der Rolle, die du ihm gegenüber einnimmst.

 

Ich kann hier keine Abhandlung schreiben, wie es dazu kommt und was man im Detail tun kann. Aber ich denke - und spreche da wirklich aus Erfahrung - dass es enorm gut tut, sich auch auf diese Weise zu betrachten. Wie fühle ich mich wirklich, den einzelnen Personen gegenüber und welche Rolle spiele ich gerade? Welches Kostüm habe ich aus der Truhe gezogen? Und wenn es schon nicht gleich ein ganzes Kostüm, eine gesamte Verkleidung ist - welche Utensilien und Accessoires setze ich in den jeweiligen Situationen ein? Damit sind einzelne Verhaltensmuster gemeint, die hie und da aufpoppen.

 

Und wann bist du am ehesten du selbst? Frage dich, wann das ist und welche Ängste dich daran hindern, öfters in diesem Zustand durchs Leben zu gehen. Wenn du tief genug gräbst, wirst du vermutlich auf die Angst, nicht genug geliebt zu sein, stoßen.

 

Achtsamkeit ist der Schlüssel zu deinem Selbst. Zu dir. Erkenne deine Rollen und frage dich, wer du eigentlich bist und was alles automatisiert in dir abläuft. Ob es überhaupt möglich ist, dass du in Wahrheit eine deiner Rollen sein kannst und vor allem: Wer oder was steckt hinter diesen Rollen? Wer bist du?

 

Auf der Suche nach dir selbst, bin ich dir sehr gerne eine Unterstützung und darin behilflich, deine Rollen nach und nach loszulassen.