Mittwoch, 13 März 2019 14:48

Ostern

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Was ist Ostern? Welche Bedeutung und welchen Sinn hat Ostern? Gibt es eine persönliche Kreuzigung und Auferstehung?

Ostern gibt es und Ostern betrifft uns alle. Im weltlichen, im spirituellen und im energetischen. Die einen verstehen Ostern als die Kreuzigung eines Menschen, der durch dieses Ereignis und der darauf folgenden Auferstehung anbetungswürdig wurde, die anderen sehen es als einen Hinweis zu dem, was in ihnen vorgeht, oder vielleicht sogar vorgehen sollte. Einem jeden selbst ist es überlassen, Ostern zu deuten und ich möchte an niemandes Glauben rütteln. Hier schreibe ich nur über mein eigenes Verständnis zu diesem Fest.

 

Eine jede Zeit hat ihre Qualität. Ich hielt vor Jahren den “spirituellen Zyklus in der Qualität der Zeit”, der sehr aufschlussreich darstelle, wie wir das Kalenderjahr spirituell bewusst für uns nützen und einsetzen können, wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten oder auch die Erntezeit im Sommer und Herbst.

 

Doch gerade Ostern hat eine Zeitqualität, die es uns ermöglicht, der inneren “Auferstehung” näher zu kommen. Der Zeitraum vom Aschermittwoch weg (mit Beginn der Fastenzeit), bis hin zum Ostersonntag (der Auferstehung Christi), ist eine intensive, in sich gekehrte und dennoch aufblühende Phase des Jahres. Die Fastenzeit - ich schreibe hier nichts Unbekanntes - sollte ja nicht nur dazu dienen, weniger ungesund zu essen oder ein bisschen weniger fernzusehen, sondern es geht vor allem darum, zu prüfen, was alles im eigenen Leben Ballast ist. Fasten kann bedeuten, Verhaltens- und Glaubensmuster bewusst einzudämmen. Denn: Ist es wirklich immer nötig, sich gekränkt oder verletzt zu fühlen? Warum bildet man sich ständig ein, dass andere einem Schlechtes wollen? Muss man sich selbst und andere ständig bewerten? Kann man nicht auch darin fasten, von den ewigen Be- und Verurteilungen abzulassen? Bedeutet Fasten nicht bewusster Verzicht? Und auf was verzichtet man, wenn man sich seinen Mitmenschen und den Situationen gegenüber toleranter, verständiger und liebevoller verhält? Eigentlich auf Ärger, Verletzung und Gram. Man verzichtet auf Schwere und lässt mehr Freude (Zeit für die Auferstehung!) ins Leben. Das Feld ist weit und fasten kann man auf vielfältigste Weise. Wer damit gar nichts anfangen kann, sollte es mit dem Verzicht auf Zucker probieren. Raffinierter Zucker steht für die falsche Süße im Leben. Auch dieser Gedanke ist ein guter Ansatz, um sich zu hinterfragen.

 

Aber zurück zum Osterereignis: Da der Mensch eigentlich nur zwei Grundgefühle kennt, nämlich die Liebe und die Angst, auf die alle anderen Gefühle variantenreich aufgebaut sind, steht die Kreuzigung für die Ur-Angst, die es zu erlösen gilt und die Auferstehung für die Liebe im Leben (das wahre, bedingungslose Sein). Auch hier nichts Neues, aber ich möchte auch nur anregen, sich wieder mehr bewusst mit diesen Themen auseinanderzusetzen.

 

Angst. Angst wovor? Im Grunde ist es die Angst zu sterben, selbst, wenn man diese Angst nicht bewusst fühlen kann. Denn die Angst zu sterben bedeutet vernichtet zu werden. Und welcher Anteil ist der einzige Anteil in uns, der ernsthaft an so etwas wie eine Vernichtung glauben kann? Das Ego. Denn nur das Ego muss sich behaupten, verteidigen, planen und kontrollieren. Nur das Ego kennt die Angst vor der Vernichtung. Das Ego als Ausdruck der Ur-Angst. Die Ur-Angst als Ausdruck des Glaubens getrennt-zu-sein. Das getrennt-sein als Glaube, nicht in Gott (göttlich zu sein).

 

Fassen wir nun das Ego und all seine Aktivitäten zusammen, zeigt sich nackte, eher unbewusste Angst. Das Ego ist damit der Grundirrtum schlechthin, denn es stammt und mündet immer aus und in dem Glauben, von der göttlichen Quelle getrennt zu sein. Damit gibt es für das Ego immer Bedarf nach außen zu blicken, zu kontrollieren, ob eine bedrohliche Situation auftaucht, zu der es auch gleich Strategien entwickelt, um sich (!!!) zu wehren, zu verteidigen und zu überleben.

 

Andersrum betrachtet: Was ist in der Lage Angst zu fühlen? Doch nur etwas, dass auch wirklich vergehen kann. Und ja, es stimmt: Stirbt der Mensch, stirbt das Ego - die Anhäufung aller Ängste und somit der Unbewusstheit. Das Ego hängt so sehr am eigenen Glauben, das Überleben sichern zu müssen, dass es sich auch gegen das Selbst (die ewige Seinsform) stemmt. Ist man wahrhaftig bei sich, kann man fühlen, wie sehr das Ego das Selbst ablehnt, ja sogar massiv ablehnt und Widerstand leistet. Und genau das braucht es, um weiter bestehen zu können: Widerstand. Nämlich den Widerstand gegen das Leben - so wie es ist - denn alles Leben ist Bedrohung.

 

Lieber Leser, bitte verstehe: Für das Ego ist alles Leben Bedrohung!

 

Daraus ergibt sich, dass das Ego nicht nur Angst vor dem Leben hat, sondern auch Angst zu leben. Aber warum? Weil wirklich leben bedeutet, gegenwärtig zu sein, alles anzunehmen, was da ist, die Situationen nicht zu leugnen, indem man sie anders haben möchte. Mit der Leugnung der Gegenwart hängen wir nur in der Vergangenheit oder in der Zukunft und verpassen das Jetzt. Das Ego kann nur an die Vergangenheit und Zukunft glauben, denn würde es das nicht, müsste es sich selbst augenblicklich auflösen. Es nährt sich von der Idee, dass das, was geschehen ist, die alleinige Wahrheit ist, sich womöglich wiederholt und da das Ego Angst ist, baut es darauf das Konstrukt der Zukunft auf. Das Ego (als eine Anhäufung von Verteidigungs- und Fluchtstrategien) vermeidet es vehement die Gegenwart umfassend zu akzeptieren und schließt damit den Zustand des “vollkommen in der Gegenwart sein” aus. Sind wir nicht in der Gegenwart, verliert sich Lebenskraft! Denn die Gegenwart stemmt sich nicht gegen die Vergangenheit oder zehrt aus ihr und hofft auch nicht auf die Zukunft, stattdessen ist sie konzentriert bei dem, was ist. Alle Kraft ist im Augenblick zentriert!

 

Es ist paradox, denn eigentlich können wir ja nur im Augenblick existieren und dennoch gelingt es uns nicht - dank des Egos - diesen natürlichsten Zustand zu leben.

 

Und was hat das alles mit Ostern zu tun?

 

Das Ego hat Angst vor der Kreuzigung, geht es doch darum, sich selbst zu erkennen und alles loszulassen - zu Ende zu bringen - was sich aus dem Widerstand nährt und den Widerstand weiter stärkt. Die Kreuzigung ist DER Augenblick, in dem der ganze Gram und Groll sich selbst erkennen kann, als das, was er ist: Gram und Groll, aus einem Irrtum heraus entstanden (der Irrtum, wahrhaftig bedroht zu sein). Derart selbst-erkannt vergehen diese Energien um vieles leichter, als wenn man sie mit Gegen-Energien bombardiert, die wiederum nur Widerstand sind.

 

Lass sein was ist, betrachte alles als einen Teil des irdischen Daseins mit den Ausblühungen des Egos und das Ego gibt sich selbst auf, lässt sich selbst los, führt sich selbst zu Ende, geht selbst den Gang zur Erlösung, denn es erkennt sich selbst als den Grundirrtum und verliert damit die Kraft, weiter zu bestehen. Nur das Ego hat Angst zu sterben, aber auch nur das Ego kann vergehen, auch in kleineren Schritten. Aber DU nicht. Du bleibst als das, was du bist: Das Leben.

 

Und sobald die Kreuzigung vollzogen ist, bist du in der Auferstehung. Die Auferstehung wird oft von der Angst zu leben behindert, da die Egolösung meist ein Prozess ist (wobei auch dieser Glaube nur ein Angstglaube ist). Aber wie auch immer es zur Egolösung kommt, die Auferstehung geschieht im Moment, also warum nicht jetzt? Worauf warten? Es gibt kein besseres gegenwärtig-sein, als gegenwärtig zu sein.

 

Die Auferstehung ist auch eine gute Gelegenheit, die Ängste zu leben, sie näher zu betrachten und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich selbst auszuleben und damit zu schwinden. Mit ausleben meine ich nicht, dass sie ausagiert werden sollten (!), das würde bedeuten, das Ego auszuleben. Aber auch “nicht nur” die reine Beobachterposition einzunehmen, denn dabei kann es zu einer Abspaltung der Gefühle zur eigenen Person kommen. Aber sie da sein zu lassen, ihnen allen Raum zu geben, den sie einnehmen können (kann auch bedeuten, dass sie einen körperlich treffen) und gleichzeitig zu erkennen, dass es dennoch nur ein Konstrukt ist, dass einem bis dato gesteuert hat, bedeutet sie zu Ende zu führen (Anleitungen dazu gibt es viele oder du kannst auch zu mir kommen, um dich darin beraten zu lassen).

 

Wie bei der Kreuzigung gibt es auch bei der Auferstehung verschiedene Abstufungen. Selbst die unumstößliche Bereitschaft, gegenwärtig zu sein, ist eine Auferstehung. Tatsächlich gegenwärtig zu sein ist eine weitere Ausdehnung der Auferstehung. Aber auch die Bereitschaft und Umsetzung, Thesen und Glaubenssätze loszulassen, ist Auferstehung.

 

Du kannst Auferstehung für dich selbst definieren und sie dort ausleben, wo du dich gerade befindest. Auferstehung geschieht im Geiste, ist immer das nach-außen-kehren der innersten Essenz und gleichzeitig das erfüllt-sein mit der innersten Essenz und in Summe das bewusste Leben aus und durch die göttliche Essenz (denn unbewusst tun wir es ja schon). Und ganz nebenbei auch noch die stetige, weitere Transformation des Egos.

 

Der Auferstehung geht immer die Kreuzigung des Egos voran, ob in Stücken oder in einem einzigen Akt.

 

Du erlebst gerade deine eigene Auferstehung! Es ist Ostern, vielleicht sogar dein Leben lang.

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