Montag, 16 September 2019 15:56

Vom Beobachten und dem Bewusstsein

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Im zweiten Eintrag der Kurzserie zur Entfaltung des Gewahrseins, beschäftigen wir uns mit einem ersten wichtigen Schritt: Der Beobachtung dessen was ist und dem gesteigerten Bewusstsein.

Im letzten Blogeintrag, den du hier nachlesen kannst, ging es um das Mensch-Sein, was per se kein Problem darstellt, wäre es nicht mit dem “menscheln” verbunden. Dieser Text war ein Grundstein, um zu erkennen, dass es weder Opfer noch Täter gibt. Es braucht aber einiges an Verständnis (oder verändertem Verständnis), um sein Leben dieser Vorstellung nicht mehr unterzuordnen. Wer dies für sich erreichen möchte, könnte mit dem Beobachten beginnen.

 

Was geschieht beim Beobachten? Beobachten ist keine reine Betrachtung, sondern geht mit Bewusstsein (Wissen) einher. Jemand oder etwas beobachten, bedeutet, sich Gedanken zu machen und Gefühle zu haben. Gedanken sind meist (wenn auch nicht immer merkbar) mit einem Gefühl verbunden. Und ein Gefühl hat man schon, wenn man sich wundert, etwas lustig oder absurd findet oder sich über etwas freut. Ein Gefühl ist das, was auftaucht.

 

Unsere Beobachtung soll mit einer (milden) Form der Selbstanalyse einhergehen. Beobachte dich dabei, wie du beobachtest. Das bedeutet: Welche Gedanken und Gefühle laufen bei dir situativ ab und versuche dich ihrer mehr und mehr bewusst zu werden. Konditioniere dich selber darauf, DICH zu beobachten. Nämlich dich in deinen Reaktionen. Es geht nicht um den anderen oder um die Situation, sondern darum, wie es dir damit geht. Eine andere Person oder eine Situation / ein Umstand ist lediglich die Plattform, auf der sich deine Muster, Ängste und Prägungen abspielen. Wenn du bereit bist, dich zu beobachten, kannst du einiges über dich erfahren und steigst schon hier aus dem Opfer-Täter-Spiel aus. Du beginnst Verantwortung für dich selbst zu übernehmen. Aber achte darauf, dich nicht in deinen Erkenntnissen und Erfahrungen abzulehnen oder dich in ihnen zu verstricken. Und sollte dir das passieren, dass du mit dir ins Gericht gehst, dann beobachte, welche Gedanken und Gefühle sich dazu einstellen. Schon hier der Hinweis auf die Übung zur Selbst-Beobachtung, die ich unter Wissen-teilen gestellt habeInnere Vorgänge

 

Was ist Beobachten noch? Wer beobachtet wartet auf ein Ergebnis, eine Wandlung, ein Hinzufügen oder ein Wegnehmen. Egal, wie neutral man sich selber wähnt oder wie neutral die eigene Position in der Angelegenheit ist, man befindet sich in Spannung und in einer Erwartungshaltung.

 

Damit lässt man nicht los, aber es ist ein wunderbarer erster Schritt zur Wahrnehmung, dem Gewahrsein und der Ich-Losigkeit. Warum? Weil man in der Beobachtung lernen kann, sich auf etwas zu konzentrieren - und es befähigt einem, zu bemerken, dass man gerade beobachtet und zeitgleich in einer Erwartungshaltung ist und all das auch noch benennen kann. Beobachten führt zu einem gesteigerten Bewusstsein. Im Wort Bewusstsein steckt “Wissen”. Auch hier laufen - fast immer - im Hintergrund Gedanken und Gefühle ab, die man mit sich selbst, anderen Menschen oder Situationen und Erfahrungen verknüpft. Der Benefit bei gesteigertem Bewusstsein ist, dass man bereits durch einen Prozess gegangen sein muss, um sich und seiner Umgebung bewusst geworden zu sein und man nun eine deutlich bessere Ausgangsposition hat, um zum Gewahrsein zu gelangen.

 

Natürlich sind sich alle Menschen mehr oder weniger ihrer selbst und der Umgebung bewusst, aber hier geht es um die Absicht, aus einem banalen Leben aufzuwachen und sich die Dinge im Kern anzusehen und zu erkennen, wie sehr man sich sabotiert und wie unglücklich man sich macht. Sei dir deiner bewusst - bedeutet, sich mehr und mehr von diesen destruktiven Verhaltensweisen abzulösen und sich der Kraft, die im Gewahrsein liegt (zu dem wir noch kommen werden) hinzuwenden.

 

Beobachten ist eine Unterform des gesteigerten Bewusstseins. Beobachte dich selbst, ob du bereit bist, wirklich an dir zu arbeiten, oder ob du die Lösungen im Äußeren suchst, Verantwortung abgibst, Dinge schön redest und dir selbst erzählst, dass du keine Zeit hast oder der andere sich endlich verändern sollte. Wenn sich der andere nicht verändert, dann hast entweder du dich nicht verändert oder es ist tatsächlich an der Zeit abzuwägen, ob es eine gemeinsame Zukunft geben kann. Aber bevor du dich trennst, überlege hundert- und tausendmal und hinterfrage dich zutiefst, ob du wirklich an dir gearbeitet hast! Und dazu ist es gut, sich seiner Gedanken und Gefühle bewusst zu werden, sie zu beobachten und Bewusstsein über sich zu erlangen. Ich lade dich ein, eine Übung mitzumachen, die du hier bzw. unter Wissen-Teilen findest. In dieser Übung sind ein paar Anregungen enthalten, die hilfreich sein können.

 

Im nächsten Blogeintrag geht es um die Wahrnehmung, die sich schon sehr von der Beobachtung und dem Bewusstsein abhebt. Und im vierten und letzten Teil schreibe ich schließlich über das Gewahrsein und die Ich-Losigkeit.

 

Ich freue mich, wenn du dabei bist!