Samstag, 12 Oktober 2019 15:49

Wahrnehmung und Gewahrsein

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Im dritten Teil der Kurzserie (Teil 1 hier, Teil 2 hier), widmen wir uns dem Thema der Wahrnehmung und der gesteigerten Wahrnehmung, dem Beginn des Gewahrseins.

Wer begriffen hat, dass er beim Beobachten und auch in der gesteigerten Form des Beobachtens, dem sich-etwas-bewusst-sein, noch immer mit dem Verstand dabei ist und weiß, dass auch psychische Prägungen einfließen, spürt bald ein Sehnen in sich: Die Sehnsucht, von all dem frei zu sein.

 

Man wünscht sich frei zu sein, sich innerlich den Beurteilungen und Meinungen anderer nicht mehr zu beugen, indem man gekränkt ist oder Angst vor ihnen hat. Und man wünscht sich, auch die anderen nicht mehr zu be(ver)urteilen. Dieser zweite Punkt ist für die meisten schwieriger umzusetzen, denn das Ego ist trickreich und viele unter uns werden in ihren Be(ver)urteilungen einfach nur subtiler, können sich aber in Wahrheit kaum davon befreien.

 

Aber das alles darf sein und sollte uns nur dazu dienen, in der Eigenbeobachtung genauer zu werden, bis man in die Eigenwahrnehmung findet, in der sich Be(ver)urteilungen schon deutlich schwerer tun, ihren Platz in der Gedankenwelt des Wahrnehmenden zu behaupten.

 

Wahrnehmung

 

Die Wahrnehmung nimmt die Dinge, wie sie sind (das ist das “Nehmen” in der Wahrnehmung). Und sie sind immer gerade so, wie sie sich zeigen (das ist die “Wahrheit” in der Wahrnehmung). Das, was geschieht, das was wahrgenommen wird, wird in seiner Existenz anerkannt, aber genommen, wie es ist - das kann nur geschehen, wenn man es ohne weitere Gedanken (wie Beurteilungen, Meinungen, Prägungen, Erfahrungen, Erwartungen, Hoffnungen und Bewertungen) betrachten kann. Dabei ist es egal, ob es sich um einen äußeren oder inneren Vorgang handelt.

 

Darin liegt schon ein guter Teil der Freiheit, die ich anfangs erwähnte. Frei zu sein, etwas zu bedenken (der psychische Zwang alles kommentieren zu müssen, das unentwegte Geratsche im Kopf) und frei zu sein, die eigenen Gefühle voll und ganz sein zu lassen, führt auch dazu, sich nicht mehr von anderen Personen beeindrucken zu lassen - und ja, sogar sich nicht mehr nach der eigenen Person (in diesem Fall ist der psychische Anteil gemeint, die Persönlichkeit samt dem Ego) zu richten.

 

Warum?

 

Weil nichts mehr haften bleibt am Ego, wodurch es sich stärken könnte, wenn äußere und innere Angelegenheiten “wahr”-”genommen” werden: Anerkannt in der Existenz, aber genommen wie sie sind.

 

Dennoch gibt es noch immer ein Außen und ein Innen, eine Wahrnehmung im Äußeren und eine Wahrnehmung im Inneren. Und es gibt noch immer eine Grenze, eine Trennung zwischen einem selbst (dem Wahrnehmenden) und dem anderen oder einer Situation bzw. eine Trennung zwischen einem selbst (dem Wahrnehmenden) und einem inneren Gefühl.

 

Und da die Sehnsucht nach Freiheit damit nicht gestillt ist, entwickelt man das …

 

Gewahrsein

 

Der Beginn des Gewahrseins ist es, völlig frei zu sein von Projektionen. Eine Projektion entsteht immer dann, wenn es einen Bezug zu etwas gibt. Und ein Bezug entsteht immer dann, wenn man Grenzen und Trennung empfindet.

 

Versuche die Vorstellung loszulassen, eine Grenze oder Trennung zu brauchen!!! Arbeite an der Angst, dass dir oder Menschen, die du liebst, etwas geschehen könnte. Versuche in einen Zustand der Annahme zu gelangen und Angst zu lösen, gleich welche. Und auch die Angst (die nicht allen bewusst ist), dass alles, was kommt, auch wieder gehen muss, dass alles Geburt und Tod erfährt. Mehr noch, dass in der Geburt der Tod desselben schon beheimatet ist.

 

Erst, wenn auf Grenze und Trennung verzichtet wird und Grenze und Trennung nicht mehr erfahren werden, ist man völlig frei von Projektionen (Bezügen) und erst dann hat man die Schwelle zum Gewahrsein überschritten.

 

Auch im dritten Teil der Kurzserie gibt es eine kleine Übung, zu finden unter Wissen-teilen:

Tipp, um Gefühle leichter zulassen zu können.

 

Über das Gewahrsein und die Ich-Losigkeit schreibe ich im vierten und letzten Teil dieser Serie. Ich hoffe du hast Freude daran.